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Wissen

Die Welt und wir

Zwar weiß ich viel,
doch möcht ich alles wissen.

[Goethe, Faust I, 1808]

Über die Zeiten hinweg haben Menschen Vorstellungen über die Welt, in der sie leben, entworfen. Passen diese dann zu den Erfahrungen, die von vielen gemacht werden und erweisen sich als hilfreich, um in der eigenen Umwelt zu leben und vor allem zu überleben, entsteht Wissen. (Abb. 1)



Wissen ist dynamisch: es wird weiter entwickelt, kann durch Forschung methodisch präzisiert und stetig verändert werden. Es wird gelernt, an folgende Generationen weiter gegeben und kann auch wieder vergessen werden.

Im Wissen spiegeln sich nicht nur eine Zeit, eine Epoche oder Kultur, sondern auch unterschiedliche Weltsichten, Verständnisweisen und Arten des Umgangs des Menschen mit sich, mit anderen und mit ihrer Umwelt.

In dem Maße, in dem Wissen in Begriffen geordnet und in Begriffssystemen in einen Zusammenhang gebracht ist, erscheint auch die erfasste Welt als geordnet und sinnvoll.

Wie drücken wir Wissen aus?

Wer etwas weiß, hat zehn Augen,
Wer nichts weiß, ist gänzlich blind.

[Toscanisches Sprichwort]

Um Wissen zu erfassen oder an andere zu vermitteln, brauchen wir geeignete Ausdrucksmittel, die sich in klare Strukturen einbinden lassen. Wir benötigen sichtbare Formen, in denen wir unsere nicht-sichtbaren Vorstellungen und Gedanken für andere sichtbar machen. Erst auf diese Weise können wir etwas anderen mitteilen und Wissen vermitteln. Sprache und Bild bieten uns hierfür eine Reihe von Möglichkeiten (Sprache und Bild).

Geschriebene Sprache und Bilder gehören zu den visuellen Mitteln, die es uns gestatten, die Welt gedanklich zu ordnen, einzelne Wissensbestände als Begriffe voneinander abzugrenzen und diese wiederum in neue Zusammenhänge zu stellen.

So verwenden wir die Wörter einer Sprache, um gedachte Begriffe zu bezeichnen, diese in Begriffsfeldern zu gruppieren und in einem bestimmten Beziehungsgefüge zu strukturieren (z. B. als Klassifikation in einer hierarchischen Struktur; Abb. 3).

Auch Bilder können wir verwenden, um Begriffe darzustellen, z. B. in Form eines Piktogramms (Abb. 5). Solche Verständnisweisen sind – ebenfalls wie bei Sprache – konventionell, d. h. wir haben sie gelernt und wissen, in welchen Kontexten sie verwendbar sind.

In dem Maße, in dem Wissen in Begriffen – sprachlich oder bildlich – geordnet ist, erscheint auch die erfasste Welt als geordnet. Eine solche Welt können wir verstehen und darin agieren. Dies gelingt umso besser, je mehr wie sie oder Teile davon in größeren Zusammenhängen sehen. Solche Zusammenhänge erfassen wir als Schemata, anders ausgedrückt, als Muster für unsere Wahrnehmung und unsere Handlungen (Ontologien). Sie prägen die Art und Weise, wie wir unsere Erfahrungen aus der Vergangenheit einordnen und unsere Erwartungen an die Zukunft vorstellen.

Alltägliches und Fachliches

Die ganze Welt ist Bühne.

[Shakespeare, Wie es euch gefällt, 1599]

In unserer Wissensgesellschaft kommen wir permanent mit ganz unterschiedlichen Sach- und Fachgebieten in Berührung.

Charakteristisch ist ein Mix aus Fach- und Alltagswissen (Abb. 7). Zwar ist z. B. ein Begriff wie WETTER alltäglich. Wir sprechen häufig darüber und sind es gewohnt, angenehme bzw. unangenehme Assoziationen damit zu verbinden. Doch bereits mit dem Wetterbericht, in den Medien ebenfalls alltäglich und quasi ritualisiert, sind wir konfrontiert mit Wissen aus der Meteorologie, Klimatologie und möglicherweise dem Gesundheitswesen und anderen Fachgebieten.

Wir alle sind Experten bzw. Expertinnen und gleichzeitig Nichtexperten bzw. Nichtexpertinnen, je nachdem in welcher Rolle und auf welchem Terrain wir uns gerade bewegen (Abb. 8). In jedem Fall aber passen wir unsere Kommunikation der jeweiligen Situation an, wenn wir wollen, dass die Kommunikation gelingt.

Die Situation kann noch komplexer werden: Fachleute aus verschiedenen Disziplinen (interdisziplinärer Kontext) und Nicht-Fachleute sollen etwas zusammen bewirken (transdisziplinärer Kontext). Auch für diese Fälle zeigt die Sprache ihre Leistungsfähigkeit. Die Begrifflichkeiten werden auf elastische Weise „neutralisiert“, weniger spezifisch gemacht, an den Diskurs angepasst und ermöglichen so eine Verständigung (Fachkommunikation).