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Kommunikation

Was tun wir, wenn wir kommunizieren?

Kommunikation: teilen, mitteilen, verteilen; das ist aber noch lange nicht alles (Abb. 19). Wir nehmen Einfluss auf unsere Kommunikationspartner und versuchen, bei ihnen etwas zu bewirken. Wir beschreiben ein Objekt, eine Landschaft oder ein Ereignis mit dem Ziel, dass Leser/Hörer sich diese Dinge vorstellen können. Wir erklären den Zusammenhang von CO2 und Klima mit der Erwartung, dass andere diesen Zusammenhang verstehen. Wir erzählen, was wir erlebt haben, in der Hoffnung, dass wir zur Unterhaltung beitragen.

Auch richten wir unsere Kommunikation direkt an die anderen. Mit Fragen möchten wir sie zu Antworten bewegen. Mit Aufforderungen möchten wir, dass sie etwas tun. Hierzu gibt es höfliche Formen des Anbietens, Bittens, Empfehlens, Werbens. Aber wir verpflichten auch uns selbst: wir versprechen oder kündigen an, dass wir etwas tun werden.

Kurz: Kommunizieren heißt Handeln und Handeln heißt Verändern. In diesem Sinne ist mit „Wissen kommunikativ vermitteln“ gemeint, dass sich die Beteiligten in Bezug auf Wissen und Einstellungen verändern. Dies kann gelingen, kann aber auch misslingen, so wie Handlungen generell erfolgreich bzw. nicht erfolgreich sein können: ein erwünschtes Kommunikationsziel wird erreicht oder nur bedingt oder eben nicht (Abb. 20).

Die Kommunikation mit Sprache und Bildern erfolgt nicht beliebig, sondern nach konventionellen Mustern, die für typische Kommunikationsfunktionen stehen. So verwenden wir verschiedene textliche Organisationsformen (Textsorten), in denen die zu vermittelnden Inhalte verpackt sind und die wir als solche wieder erkennen, z. B. behördliches Anschreiben, Bericht, Dokumentation, Erzählung, Filmankündigung, Produkt-information, Roman, Sachbuch, Vertrag, wissenschaftlicher Aufsatz, Witz, Zeitungsartikel usw. (Beispiele: Abb. 21, Abb. 22, Abb. 23).



Dass-, Was- und Wie-Kommunikation

Menschliche Kommunikation ist somit ein grundlegend kooperatives Unternehmen, das am natürlichsten und reibungslosesten im Kontext eines wechselseitig vorausgesetzten, gemeinsamen begrifflichen Hintergrunds (1) und wechselseitig vorausgesetzter kooperativer Kommunikationsmotive fungiert.

[M. Tomasello, Die Ursprünge der menschlichen Kommunikation, 2009 (orig. 2008, MIT Press)]

Wissen wird in Kommunikationsgemeinschaften generiert, strukturiert, dargestellt, vermittelt und verbreitet (Abb. 24). Dabei können wir drei Schwerpunkte unterscheiden, die die jeweilige Kommunikationssituation prägen. Je einer kann im Vordergrund stehen, doch letztlich kommt es auf eine angemessene Mischung an.

Zunächst geht es darum, wer, wann, wo an Kommunikationsereignissen beteiligt ist (Dass-Kommunikation). Unterstützt durch technische Kommunikationsmittel, ergeben sich recht differenzierte Situationen. Anders als in der flüchtigen Face-to-Face-Kommunikation, in der die beteiligten Personen an einem gemeinsamen Ort und zur gleichen Zeit präsent sind, verlangt die Fern-Kommunikation eine Identifikation der genannten drei Aspekte sowie eine Anpassung an die Bedingungen der genutzten Kommunikationsmittel (Abb. 25, Abb. 26).



Andererseits lässt sich hier – nicht zuletzt wegen der Fixierung – nachverfolgen, welche Personen (in welchen Rollen) an welchen Orten und/oder online zu welchen Zeiten an der Ausarbeitung einer Idee, an der Entwicklung eines Unternehmens oder an sonstigen Ereignissen mit welchen Beiträgen beteiligt sind. Umgekehrt bestimmt bereits die Zugehörigkeit zu einer Kommunikationsgemeinschaft, d a s s Kommunikation stattfindet und zu welchen Gelegenheiten.

Viele, auch temporäre Kommunikationsgemeinschaften konstituieren sich durch ein Thema oder ein Themenfeld (Was – Kommunikation). Hier kommt es auf die Inhalte der Beiträge an. Möglicherweise werden Fragen nach dem Verständnis der thematischen Zusammenhänge relevant (Abb. 27). Oder der Wissenszuwachs ist von Interesse (Lernkommunikation). In diesen Fällen bedeutet der Abschluss eines Themas ebenfalls die Beendigung der Kommunikationsgemeinschaft, wenn nicht neue Themen als gemeinsame Themen die Fortsetzung ermöglichen.

Auch die Gestaltung kann wichtig für eine Kommunikationsgemeinschaft sein (Wie-Kommunikation). So mischen sich häufig kulturell geprägte Ausdrucksformen, Stile, Moden, kreative Ideen und technische Möglichkeiten der Realisierung (Abb. 28), denen als Design ein eigener Wert für die Selbstdarstellung mit Wiedererkennungsfunktion zugemessen wird (Beispiel: Corporate Design).

Medien

Die kulturelle Bedeutung von Texten und Bildern und ihr Verhältnis zueinander hängen stark von den technischen Medien ab, die einer Gesellschaft zur Verfügung stehen.

[U. Schmitz in Schmitz/Wenzel "Wissen und neue Medien", 2000: 242]

Der Ausdruck „Medien“ bezieht sich auf eine Reihe unterschiedlicher Sichtweisen und auf das, was jeweils hervorgehoben wird. So kann z. B. die Produktions- und Verbreitungsart kommunikativer Inhalte gemeint sein wie Buch, Rundfunk, Fernsehen, Telefon, E-Mail, Internet. Letzteres wird auch als Neue Medien bezeichnet und den Printmedien (Zeitung, Buch) gegenüber gestellt. Dabei kommt es aber auch zur Mischung und Betonung von Aspekten, die die Auswahl und Gestaltung der angebotenen Informationen betreffen oder es geht um die sozial-kulturelle Wirkung von Medien, die auf eine gewisse Weise mit ihren jeweiligen technischen Bedingungen und deren Konsequenzen verknüpft sind (Abb. 29).

Findet Kommunikation statt, ist sie auch immer auf ein Trägermedium angewiesen, das eine Aufzeichnung der Inhalte ermöglicht, ausgenommen es handelt sich um ein mündliches Gespräch, wobei die Kommunikationspartner präsent sind (hier sorgen Luft und Artikulationsorgane für Herstellung und Transport der Äußerungen).

Mit der Erfindung der Schrift (Zeugnisse gehen bis vor ca. 6000 Jahre zurück) wurde es möglich, Inhalte für andere und andere Zeiten zu fixieren, auf die man immer wieder zurückgreifen konnte (wichtig für politische und ökonomische Aktivitäten, z. B. Handelsvereinbarungen).



Als Trägermedium kam zunächst Stein in Betracht (z. B. der berühmte Rosetta-Stein, der es ermöglichte, aufgrund der eingemeißelten dreisprachigen Paralleltexte die Bilderschrift der Hieroglyphen zu entziffern), später Papyrus mit Stiften und Pinseln als Schreibgeräte (vgl. die professionelle Rolle der Schreiber im Alten Ägypten um 2.350 v. Chr., Abb. 30) oder Papier im Alten China. Im Mittelalter schrieben die Schüler auf Wachstafeln, spätere Generationen auf Schiefertafeln mit Griffeln. Wir sind es gewohnt, den Computer u. a. auch als Schreibgerät zu nutzen, mit dem Bildschirm als Mensch-Computer-Schnittstelle zum Sichtbarmachen des Geschriebenen oder Kopierten sowie zum Speichern unserer Produktionen. Auf die digitale Organisation unserer Texte in Form von Hypertexten war bereits oben hingewiesen worden. Für die Verbreitung unserer Produktionen nutzen wir wiederum den Computer, diesmal in seiner Funktion als Distributionsgerät.

In einer kritischen Sicht werden Möglichkeiten und Nutzungsweisen gleichermaßen als Chancen und Risiken verstanden, die wiederum in einem kulturellen Kontext stehen, den sie als Medien ihrerseits beeinflussen (Abb. 31). Insofern nehmen wir durch unsere Handhabung der Medien Einfluss auf deren zukünftige Entwicklungen.