Hintergrund

Textlinguistik

Most of our knowledge is acquired by discourse.

[T. A. van Dijk (2014-Preface)]

Der Zusammenhang von Wissen und Text (Diskurs) erschließt sich nicht unmittelbar, obschon diese Tatsache in der Praxis der Lehrenden und Lernenden, bei der professionellen Wissensarbeit, aber auch im Alltäglichen der Kommunikation mehr oder weniger intuitiv genutzt wird.

In der Theorie, insbesondere in textlinguistischen Ansätzen, besteht Konsens darüber, dass sowohl die formal sichtbare Textoberfläche (Wörter, Sätze, Abschnitte) als auch die mental zu erschließenden thematischen und funktionalen Zusammenhänge jeweils eine zentrale Rolle spielen und dass beides im Bezug aufeinander zu betrachten ist. Grundlegend für diese Sichtweise ist die als Zeichentheorie bekannte Sprachtheorie von der Verbundenheit von Bedeutung und Form bzw. von Bedeutung, Funktion und Form, die die Möglichkeit zu Verstehen und Verständigung durch Sprache erst begründet (Einführung und Überblick in Adamzik 2010).

Darauf aufbauend kommt es in einem nächsten Schritt zur dynamischen Entwicklung von Begriffssystemen, den Instrumenten für Aufbau, Weitergabe und stete Veränderungen unseres Wissens. Wird dies zum Gegenstand unserer Kommunikation, erscheint es in Form von Themen und deren Entfaltung im Text und, weiter gefasst, im Diskurs.


Adamzik, Kirsten (2010): Sprache: Wege zum Verstehen. Francke, UTB, Tübingen.


Dijk, Teun A. van (2014): Discourse and Knowledge. A Sociocognitive Approach. Cambridge University Press, Cambridge.


Rothkegel, Annely (2015): Text Knowledge and Object Knowledge. Bloomsbury, London.


Schwarz-Friesel, Monika / Consten, Manfred (2014): Einführung in die Textlinguistik. Darmstadt.

Fachkommunikation

Die Fachkommunikation ist Objekt verschiedener sprach- und kommunikationswissenschaftlicher Disziplinen.

[K. Schubert (2007:1)]

Der Bereich der Fachkommunikation (Fachkommunikationswissenschaft) hat sich in den letzten Jahren über die Problemfelder der einzelnen Fachsprachen und der Terminologie hinaus in Richtung einer breit aufgestellten wissensorientierten Kommunikationswissenschaft entwickelt.

So spielen nicht nur Fragen der Experten-Nichtexpertenkommunikation eine hervorgehobene Rolle, einbezogen werden Kommunikationssituationen in inter- und transdisziplinären Kontexten. Dies trägt den Erfordernissen zeitgemäßer Problemlösungen Rechnung, bei denen üblicherweise verschiedene wissenschaftliche Disziplinen wie auch die Fachleute aus der Praxis beteiligt sind. Eine zusätzliche Komplexität ergibt sich im Hinblick auf die zu berücksichtigende Sprachenvielfalt.


Emons, Rudolf (Hg.) (2003): Sprache transdisziplinär. Lang, Frankfurt/Main.

Jungert, Michael / Romfeld, Elsa / Sukopp, Thomas / Voigt, Uwe (Hg.) (2013): Interdisziplinarität. Theorie, Praxis, Probleme. WBG, Darmstadt.

Krings, Hans P. / Mayer, Felix (2008): Sprachenvielfalt im Kontext von Fachkommunikation, Übersetzung und Fremdsprachenunterricht. Frank & Timme, Berlin.

Rothkegel, Annely (2010): Technikkommunikation. Produkte – Texte – Bilder. Verlag Huter & Roth, Wien und Universitätsverlag UTB, Konstanz.

Schubert, Klaus (2007): Wissen, Sprache, Medium, Arbeit. Ein integratives Modell der ein- und mehrsprachigen Fachkommunikation. Narr, Tübingen.

Ontologien

Eine Ontologie bildet Wissen spezifisch für die zugrunde gelegte Domäne ab. Für andere Domänen kann das abgebildete Wissen der Ontologie ungültig sein.

[S. Roland (2010)]

Ursprünglich im Kontext der Philosophie gebräuchlich („Grundstrukturen des Wirklichen“), ist der Ausdruck „Ontologie“ durch verschiedene Disziplinen gewandert, jeweils mit einem etwas anderen Fokus.

In der Informatik und KI-Forschung erwies er sich als nützlich für standardisierte Verfahren der Datenmodellierung ausgewählter Sachgebiete (als „Wissen“ einer Domäne) zur Verwendung in Datenbanken. In der Textlinguistik zeigte er sich geeignet für die Erfassung des in Texten thematisierten Wissens, das sich den sprachlichen Ausdrücken zuordnen lässt und häufig in der Bezeichnung „Frame“ beschrieben wird. Und schließlich ist uns auch im Alltag die typische Paar-Struktur durch den Umgang mit Formularen geläufig: ein verallgemeinerter Begriff wird durch eine individuelle Angabe spezifiziert (z. B. NAME = Schmitt). In der Kombination solcher Attribut-Wert-Paare können schließlich einfache, aber auch komplexe Muster für Objekte und Sachverhalte eines Sachgebiets und deren Begrifflichkeiten abgebildet werden.

Dieses Verfahren findet ebenfalls Anwendung im Rahmen der Fachkommunikation. Hier geht es darum, ein für eine bestimmte Kommunikationssituation relevantes Sachgebiet (Arbeitsbereich) begrifflich zu gliedern und in einer standardisierten, strukturell festgelegten Darstellungsweise zu repräsentieren (bezeichnet als Wissensrepräsentation oder Wissensschema). Vergleichbarkeit, Wiederverwendbarkeit, aber auch die Möglichkeiten der Modifikation und Erweiterung machen diese Schemaform zu einem vielfältig einsetzbaren Instrument.


Konerding, Klaus-Peter (1993): Frames und lexikalisches Bedeutungswissen. Niemeyer, Tübingen.

Meixner, Uwe (2011): Einführung in die Ontologie. WBG, Darmstadt.

Roland, Sebastian (2010): Entwicklung von Ontologien – unter Berücksichtigung der Anforderungen aus der Domäne Gefahrengutlogistik. VDM, Saarbrücken.

Ziehm, Alexander (2008): Sprachliches Wissen und Frames. Kognitive Aspekte der semantischen Kompetenz. de Gruyter, Berlin.