in Bildern Sprechen (iBiS)

1. Einführung

Metaphern kontrastiv deutsch-japanisch


Autor_innen:

  • Annely Rothkegel
    (WaK/Wissensarbeit und Kommunikation, Saarbrücken; annely.rothkegel@gmail.com)
  • Ryuko Kobayashi-Woirgardt
    (Kultusministerium des Saarlandes, Saarbrücken; ryuko@coli.uni-saarland.de)
  • Philip Fückert
    (Website-Programmierung: pfpro, Saarbrücken; me@pfpro.de)


EINLEITUNG / VORSCHAU

iBiS ist ein Ausstellungsprojekt (web exhibition project) über die sprachliche Kreativität, die bei den metaphorischen Redewendungen in der Verbindung von Bild- und Denkwelten eine besondere Anschaulichkeit erreicht.

Beim Sprachvergleich – hier Deutsch-Japanisch – wird dies umso deutlicher, als durch Ähnlichkeiten und Verschiedenheiten Zusammenhänge sichtbar werden, die das kreative, sonst eher verborgene Potenzial einer Sprache unmittelbar erfahrbar machen. Die spannende Frage ist, auf welche Weise die Bedeutung eines Ausdrucks durch die Besonderheit eines sprachlichen Bildes geprägt ist. Beispiel-1 zeigt eine enge Korrespondenz Deutsch – Japanisch, wobei Bild und Bedeutung jeweils identisch sind. Die Visualisierung in drei Varianten signalisiert die prinzipielle Offenheit sprachlicher Bilder für kontextabhängige Konkretisierungen.





Beispiel-1: Fisch im Wasser



Metaphern funktionieren so: man sagt etwas, was in einem anderen analogen Sinne gemeint ist. Charakterisiert man z. B. die Beziehung zwischen zwei Personen mit dem Ausdruck wie Wasser und Feuer (水と火 [mizu to hi]), meint man, dass die beiden absolut nicht zueinander passen, nicht miteinander können, total zerstritten oder völlig unverträglich, ja sogar feindlich gesonnen sind (Theorie > Metapher). Der Vergleich nutzt also die Vorstellung von den Eigenschaften der Elemente Wasser und Feuer für die Beschreibung menschlicher Beziehungen. Bemerkenswert ist, dass die konkrete Art der Beziehung dabei unspezifisch und offen bleibt für die Anwendung in vielen, auch verschiedenen Kontexten.

Das sprachliche Bild ist anwendbar auf eine Vielzahl von Situationen und erzeugt zusätzlich einen emotionalen Mehrwert: es ist Blickfang (erhöht die Aufmerksamkeit) und vermittelt gleichzeitig Bedeutung. Die Zuordnung von bildlicher Vorstellung einerseits und inhaltlicher Aussage andererseits ist allerdings nicht beliebig, sondern an eine semantische Analogie gebunden (Theorie > Analogie). Sonst würden wir die vermittelten Aussagen nicht verstehen. Dieses etwas komplizierte Verhältnis macht solche Ausdrücke auch für die wissenschaftliche Untersuchung interessant (Theorie, Literatur).

Die Metaphernbildung gehört zum kreativen Spektrum aller Sprachen. Es handelt sich nicht um Ausnahmen oder stilistische Ausschmückung (wie man früher annahm), sondern ist produktiver Bestandteil der Begriffsbildung in Wissenschaft, Politik, Wirtschaft, Technik, Alltag usw. Sie funktioniert spontan, aber auch geplant und gehört darüber hinaus zum lexikalisierten Inventar einer Sprache, insbesondere auch zum Wortschatz der Redewendungen (Theorie > Phraseologie).

Die Kompositionen der sprachlichen Bilder gelten zum Teil als kulturspezifisch, doch wandern die Ausdrücke auch weltweit oder verbreiten sich regional (vgl. Fisch im Wasser, Beispiel-1). Bemerkenswert dabei ist die Rolle der ausgedrückten bildlichen Vorstellungen, die mit wandern oder spezifische Ausprägungen entfalten. Wir erfahren mehr über ihre interessanten Bildungsmuster, wenn wir uns die Beispiele aus den beiden Perspektiven der Bildwelten („was wir sehen“) und Denkwelten („was wir wissen“) etwas näher anschauen. Ergänzt sind beide durch visuelle künstlerische Bilder, die die Bildidee fokussieren.

Adressaten des Portals, insbesondere der geplanten Ausarbeitung (mit Index aller Ausdrücke und fokussierten Exponaten), sind Sprachlerner_innen (deutsch-japanisch) sowie allgemein Sprach- und Kulturinteressierte (ohne und mit Fremdsprachenkenntnissen).


Es bietet Antworten auf Fragen wie:

  • Werden bestimmte Bedeutungen (oder Bedeutungsanteile) durch bestimmte sprachliche Bilder ausgedrückt?
  • Gibt es systematische Varianten?
  • Steht eine Gruppe von Bildern für bestimmte Konzepte?
  • Gibt es eine Systematik der Merkmale?
  • Welche Bilder sind singulär oder kommen in einer Sprache überhaupt nicht vor?
  • Gibt es Tendenzen oder Auffälligkeiten?
  • Sind möglicherweise Parallelen zu nicht-sprachlichen Traditionen (Bildende Kunst, Musik) erkennbar?